Tagebuch eines Künstlers, Teil 2
Die Sprache des Körpers
Eigentlich hätte ich in meinem zweiten Eintrag die Schrift präsentieren wollen, die ich für das LlyriaART Projekt und die Cover meiner Saga entworfen habe.
Die „Basisfont“ ist von vor etwa 5-6 Jahren im Zeitraum von rund 2 Monaten entstanden. Und nun habe ich meinen Urlaub genutzt, um speziell die Schriftzüge zu designen für den Covertitel und die Überschriften im Buch, da ich ursprünglich „geplant“ hatte, mir Adobe Illustrator zu dem Zweck nur für einen Monat zu leisten. Mein zweiwöchiger Sommerurlaub war daher ziemlich… produktiv und eine Mischung aus Pojektarbeit und erzwungener, eingeplanter Erholung. Weil die ganze Zeit arbeiten ungesund ist … oder so.
Außerdem habe ich im Urlaub die Novellensammlung, die ich im Sommer kostenlos auf der Website veröffentlichen möchte, vom Korrektorat zurückbekommen und die Korrekturen eingearbeitet. Alles in zwei Wochen Urlaub hineingepresst, um möglichst schnell wieder zu dem zurückkehren zu können, was mir am meisten fehlt: das Schreiben selbst.
Klar macht das andere auch Spaß, aber neben dem Brotjob hätte das ohne Urlaub einfach ewig gedauert und weil ich wirklich wirklich zum Schreiben selbst zurückwollte, wollte ich diese anderen Arbeiten „mal eben schnell abhaken“. Und wenn ich eins gut kann, dann ist das „effizient arbeiten“, „pushen“ und mir – weil ich weiß, dass es nötig ist „Pausen einplanen“.
Sind erzwungene Pausen erholsam und erfüllen sie ihren Zweck?
Naja, ich bin im Krankenstand. Also offensichtlich nicht und deswegen handelt der zweite Eintrag im Tagebuch eines Künstlers wieder von einem persönlicheren Thema. 😄
Die Sprache des Körpers, oder: Flow vs. Getriebenheit
Ich tippe diesen Beitrag in kleinen 10 Minuten Einheiten, weil ich gerade nicht länger vor dem Bildschirm sitzen kann, bevor sich meine Schulter und mein Rücken völlig verkrampfen. Ich war gerade einmal eine Woche nach dem Urlaub wieder in der Arbeit, als mir von einen Tag auf den nächsten die linke Körperhälfte „eingeschlafen“ ist. Taubheitsgefühle und das Gefühl, als hätte ich einen ganz gewaltigen Muskelkater. Wirbelblockade in der Brustwirbelsäule, stellt sich raus. Ganz gewaltige, schmerzhafte Muskelverspannung, die auf einen Nerv drückt, der beleidigt bis in die Brust, den Arm hinunter und ins Bein strahlt. Und der Schwindel, der mich seit etwas über einem Jahr immer wieder mal heimsucht (ganz besonders immer dann wenn ich gestresst oder verspannt bin) ist auch wieder da.
Ergo: Ich bin zum ersten Mal seit ich weiß nicht wie vielen Jahren länger als 2 Tage im Krankenstand, weil ich nicht lange sitzen und auch nicht in irgendeiner Position entspannt liegen kann.
Nachdem ich mir die erste halbe Woche anständig leidgetan, mich nutzlos gefühlt und in meinem Elend gesuhlt habe, beginnt die Botschaft des Körpers jetzt endlich, langsam einzusinken. Und nachdem ich die ersten Tage vor Frust und Schmerz hätte heulen können, könnte ich es jetzt vor Dankbarkeit. Witzig, oder?
Dazu möchte ich sagen, dass ich gerade den Kurs „Heal yourself“ von Pascal Voggenhuber mache, und auch sein Buch „Enjoy this Life“ lese.
Kann ich beide sehr empfehlen.
Und gerade jetzt, während dieser Phase in der ich von einen Tag auf den nächsten K.O gegangen bin (na schön, innerhalb von 2 Tagen. Am ersten habe ich noch versucht, die Sache zu ignorieren und mir einzureden, dass es „nur ein Muskelkater“ ist), haben sich die Inputs von Kurs und Buch als sehr wertvoll erwiesen.
Ganz besonders möchte ich eine Lektion hervorheben, die ich dabei gelernt habe und versuche, sie in mein Leben und Denken zu integrieren:
„Positiv denken“ – aber nicht im Sinne von „sich Dinge schönreden“ oder „so tun als sei alles gut“ und dabei die Realität verleugnen.
Sondern im Sinne von: Sich den eigenen inneren Kritiker und die eigenen destruktiven Glaubensmuster bewusst machen, die den Fokus immer nur auf das Schlechte, das Ungenügende, die Krankheit, den Schmerz, den Mangel gerichtet haben – und einen dadurch in diesem Mangeldenken, dem Unglück und der destruktiven Gedankenspirale gefangen halten. Wie soll man heilen, wenn man immer nur darauf fokussiert ist?
Energie folgt der Aufmerksamkeit – und wenn man an ein Symptom denkt, wird dieses … na, alles mögliche, aber sicher nicht verschwinden. Und wenn man sich dann noch Sorgen macht, verschärft das die Sache nur noch mehr, weil man sich regelrecht daran festklammert.
Was tatsächlich hilft – wenn man konsequent dranbleibt und es umsetzt – ist, sich für jeden schlechten Gedanken einige positive ins Bewusstsein zu rufen. Dinge, für die man ehrlich Dankbarkeit empfindet. Dadurch lenkt man den Fokus in eine positive Richtung und kann seine destruktiven Gedanken langsam umpolen, in eine gesunde, heilsame Richtung.
Ich merke, dass es wirklich hilft und etwas verändert. Und es gibt immer irgendetwas positives – auch (oder ganz besonders) Dinge, die für uns so selbstverständlich und alltäglich sind, dass wir sie gar nicht wahrnehmen.
Ich habe fließendes, kaltes Wasser aus der Leitung. Ich habe die Möglichkeit, zum Arzt zu gehen und Hilfe zu bekommen. Ich kann gehen. Ich kann durch den Garten spazieren. Ich kann den Ausblick auf die Berge genießen. Ich kann immer noch meine Hände benutzen, um zu schreiben. Ich habe einen Job. Ich habe genug Geld, um gut zu leben. Ich kann immer noch über das Leben, mich selbst und allerlei Blödsinn lachen. Ich kann diese Symptome als Chance zur Veränderung ansehen und daraus lernen, um langfristig gesund zu werden.
Die Rückenschmerzen und Probleme werden da gleich weniger bedeutsam. Sie sind immer noch da, aber sie sind nur mehr ein Teil des Gesamtbildes. Sie füllen es nicht mehr völlig aus.
Anfang letzten Jahres habe ich mir das Ziel gesetzt, gesund zu werden und meine chronischen Verspannungen zu lösen, die ich seit sicherlich schon 15 Jahren mit mir herumschleppe. Seit diesem Entschluss hat mir mein Körper ein Symptom nach dem anderen vor den Latz geknallt.
Was sagen mir die Symptome denn? Mein Körper kann nicht einmal in Ruhepausen entspannen, weil selbst das „entspannte“ Liegen wehtut.
Pausen sind keine Pausen, solange ich mit dem Kopf noch immer in der Arbeit hänge und den selbstauferlegten Druck und die Erwartung nicht loslassen kann. Dann bleibt immer alles angespannt und selbst in Ruhephasen gibt es keine Erholung.
Was ist Schwindel anderes, als „aus dem Gleichgewicht geraten“ sein? In meinem Fall das Gleichgewicht zwischen Körper und Psyche ( das Ego, das immer nur pusht und sich mit Erwartungen unter permanenten Druck setzt, weil es etwas fertig bringen möchte, Leistung bringen möchte, gut genug sein möchte, etc.).
Und ich bin ja generell so ein Kandidat, der irgendwie andauernd was mit der Blase hat. Was ich in dem Zusammenhang nur erzähle, weil die psychosomatische Thematik dahinter ins Bild passt: Loslassen, bzw. Probleme damit zu haben, etwas loszulassen.
So alles in allem ist die Botschaft damit für mich klar – zumindest jetzt, da ich eine Woche lang dazu gezwungen war „Pause“ zu machen und Zeit hatte, nachzudenken und entweder grollend auf Besserung zu warten – oder die Sache mal eingehend zu reflektieren.
Du kannst deinen Körper hassen. Du kannst ihn vernachlässigen, ihn ignorieren oder ihn über seine Grenzen treiben. Aber du wirst früher oder später den Preis dafür bezahlen.
Dein Körper ist für dich allein entstanden und ins Leben geboren worden. Er flüstert dir zu, wenn du auf den falschen Weg gerätst. Und wenn du sein Flüstern ignorierst, dann fängt er an zu schreien.
Danke. Der Schrei war nicht zu überhören.
Ich hätte Urlaub machen und die Zeit genießen sollen – auch wenn ich mir meine selbstgesetzten Ziele und To-Do‘s damit über den Haufen werfe, mit denen ich mich immer wieder vorwärtspushe, weil: Ich will ja fertig werden. Und es macht mir wahnsinnig viel Spaß und Freude, aber oft ignoriere ich die Grenze, an der ich merke dass mir diese Arbeit keine Kraft mehr gibt, sondern anfängt, sie zu zehren. Dann kippt der angenehme Flow in den von Ego getriebenen Zwang.
Also. Ich behalt Adobe Illustrator eben noch ein Monat länger (oder so lang es eben dauert) und mache die Schrift und die Korrektur der Novellensammlung, sowie das Cover langsam, so nebenbei fertig, auch wenn es dann eben länger dauert. Dafür werde und will ich wieder schreiben.
Und vor allem … Pausen machen. Pausen mit dem Körper und dem Kopf. Und ich werde sie genießen.
Nach dem Kampf der letzten Jahre und vor allem nach dieser Episode kann ich das nur empfehlen. Hör auf deinen Körper. Behandle ihn und dich gut und hör bzw. sieh hin, wenn er anfängt, sich zu beschweren. Alles, was verdrängt und übergangen wird, kehrt irgendwann doppelt so stark zurück, bis du es nicht mehr ignorieren kannst.
Und wenn du dich über dich selbst und deinen Körper ärgerst, schick deinen inneren Kritiker mitsamt seinen Ängsten, Erwartungen und Beschwerden für eine Weile in die Ecke.
Das ist es nicht wert.
Wir haben es verdient, gesund und glücklich zu sein. Auch ohne immer „genug“ dafür zu leisten.
Das Leben ist schön.

Die Schrift kommt dann das nächste Mal. 😊 Man liest sich!

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